Frankfurter Flughafen rüstet sich für Streik

Vorfeld-Beschäftigte für Donnerstag zum Ausstand aufgerufen
Mittwoch, 15.02.2012
An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main droht Donnerstag (16. Februar) der Stillstand. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) rief die Beschäftigten des Vorfelds zum Streik auf, nachdem der Flughafenbetreiber Fraport eine Frist zur Annahme der Schlichtungsempfehlung verstreichen ließ. Der Ausstand soll von 15 bis 22 Uhr dauern. Foto: dapd

Reisende am Frankfurter Flughafen müssen sich am Donnerstag auf massive Verspätungen und Flugausfälle einstellen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) rief die rund 200 Beschäftigten auf dem Vorfeld von 15.00 bis 22.00 Uhr zum Ausstand auf. Der Flughafenbetreiber Fraport nannte die Streikandrohung nicht nachvollziehbar. Er will ein gerichtliches Vorgehen dagegen prüfen.

Fraport hatte am Mittwoch eine Frist zur Annahme einer Schlichtungsempfehlung verstreichen lassen. Die GdF will das Unternehmen nun dazu zwingen. Weitere Streiks sind nach Gewerkschaftsangaben bereits in Planung. Sie sollen jeweils 24 Stunden vor Beginn bekanntgegeben werden.

Den Verkehr am wichtigsten deutschen Drehkreuz behindern

Laut GdF könnte die Arbeitsniederlegung den Flugverkehr am wichtigsten deutschen Drehkreuz zum Erliegen bringen. Es sei denkbar, "dass kein Flieger mehr an seine Position kommen wird", sagte Bundesvorstandsmitglied Markus Siebers am Mittwoch in Berlin.

Unternehmen und Gewerkschaft hatten sich in den Tarifverhandlungen für Beschäftigte in der Verkehrszentrale, der Vorfeldkontrolle und der Vorfeldaufsicht nicht einigen können. Einem Schlichterspruch stimmte die GdF zu, Fraport hingegen nicht.

Zwar arbeiten in dem betroffenen Bereich insgesamt nur rund 200 Personen, doch ohne sie wird die Aufrechterhaltung des Flugverkehrs schwierig. Wer auf dem Vorfeld eingesetzt werde, habe eine zweijährige Ausbildung erhalten, sagte Siebers. So schnell ließen sich die Streikenden also nicht mit anderen Fraport-Mitarbeitern ersetzen.

Mehr als Hälfte der Flüge sollen stattfinden

Fraport rechnet in der geplanten Streikzeit mit Verspätungen und Ausfällen besonders auf den Inlandsverbindungen. Der Betreiber will den Flugbetrieb aber zu "deutlich mehr als 50 Prozent" aufrechterhalten. Bisher mit verwandten Controller-Aufgaben beauftragte Mitarbeiter seien durch Schulungen vorbereitet, auf dem Vorfeld während des Streiks Sicherheit zu garantieren, sagte Fraport-Vorstandsmitglied Peter Schmitz.

Die Forderungen der Gewerkschaft in dem im Oktober begonnenen Tarifstreit nannte er "verantwortungslos und unvernünftig". Was die GdF verlange, komme einer Gehaltsverbesserung um 64 bis 73 Prozent für die 200 Vorfeldbeschäftigten gleich. Der im Januar von Fraport abgelehnte Schlichtungsvorschlag habe den Forderungen der Gewerkschaft zu rund 80 Prozent entsprochen. "Wir haben daher rechtzeitig zusätzliches Personal geschult", sagte Schmitz.

Es wird enger Kontakt zu den Fluggesellschaften gehalten

Bevorzugt abgefertigt werden sollen Interkontinentalflüge, auf innerdeutschen Verbindungen sei jedoch mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen. Schmitz empfahl Passagieren, Kontakt mit den jeweiligen Airlines aufzunehmen.

Die Zahl der zu erwartenden Ausfälle sei nicht zu beziffern. "An einem normalen Wintertag gehen rund 650 Flieger mit insgesamt 125.000 Passagieren raus", sagte Schmitz. Nach 22.00 Uhr werde es bis zum Beginn des Nachtflugverbots um 23.00 Uhr erheblichen Flugverkehr geben. An den Verhandlungstisch werde Fraport erst zurückkehren, wenn ein Kompromissvorschlag der GdF vorliege.

Fraport will eventuell gerichtlich gegen den geplanten Streik vorgehen

Auch Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai wetterte gegen die Gewerkschaft und warf ihr Rücksichtslosigkeit vor. Fraport prüfe, noch am Donnerstagmorgen gegen den geplanten Streik gerichtlich vorzugehen, sagte Mai. Der Ausstand könne so womöglich verhindert werden.

Als "untragbar" bezeichnete der Fraport-Betriebsrat die GdF-Forderungen. Die "Spartengewerkschaft" handele gegen die Interessen aller 11.000 Fraport-Beschäftigten. Der Flughafenbetreiber werde den Mehraufwand bei den Personalkosten zulasten anderer Mitarbeiter wieder einsparen.

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